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Photoshop NextGen Engine heißt Adobes größtes Update am technischen Fundament von Photoshop seit Jahrzehnten: eine komplett neu entwickelte, GPU-first ausgelegte Rendering- und Compositing-Engine, die schrittweise die bislang noch aus CPU-Zeiten stammende Architektur ablösen soll. Adobe hat das Projekt kürzlich in einem Forenbeitrag und einem Adobe-Live-Interview vorgestellt. Ich fasse hier zusammen, was die NextGen Engine ist, warum sie nötig wird und wann sie kommen soll.

Was ist die Photoshop NextGen Engine?

Die NextGen Engine (kurz NGE) ist eine neu entwickelte, GPU-first ausgelegte Image-Engine, die Rendering, Compositing und Bildverarbeitung in Photoshop künftig übernehmen soll. Sie arbeitet über eine Floating-Point-HDR-Pipeline, ist von Grund auf für moderne Grafikkarten gebaut und soll unter anderem nicht-destruktive Filter direkt im Ebenenstapel ermöglichen. Aktuell befindet sich die Engine noch in der Entwicklung: Ein erstes Pre-Release für ausgewählte Kund:innen ist für die kommenden Monate geplant, eine öffentliche Beta wird für Anfang 2027 angepeilt.

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35 Jahre Photoshop: Warum eine neue Engine überhaupt nötig ist

Photoshop 1.0 erschien am 19. Februar 1990 auf einer einzigen 800-KB-Diskette, noch ohne Undo-Funktion. Seitdem hat sich am technischen Unterbau einiges getan: der Wechsel von 68K- auf PowerPC-Prozessoren, MMX-Unterstützung, Multithreading, der Sprung von 32 auf 64 Bit, der Wechsel von Carbon auf Cocoa auf dem Mac und schließlich erste GPU-Beschleunigung für Canvas, einzelne Filter und zuletzt das Compositing selbst. Trotzdem läuft der Kern von Photoshop bis heute größtenteils CPU-basiert, denn 1988, als die ersten Grundlagen entstanden, gab es schlicht noch keine GPUs im heutigen Sinn. David Howe, Director of Engineering bei Photoshop, beschreibt das Projekt in einem Blogbeitrag im Adobe Community Forum als das größte technische Unterfangen seiner über 30-jährigen Karriere bei Adobe.

Kein Neustart, sondern eine Fusion zweier Welten

Anders als man vermuten könnte, baut Adobe Photoshop nicht komplett neu. Ein kompletter Neustart würde bedeuten, sämtliche Funktionen und jahrzehntelang gewachsene Workflows über Bord zu werfen, das kommt für ein Programm mit Millionen professioneller Nutzer:innen nicht infrage. Stattdessen verfolgt Adobe einen Opt-in-Ansatz: Wer nichts ändern möchte, arbeitet weiter wie gewohnt mit der bestehenden Engine. Wer die NextGen Engine aktiviert, nutzt weiterhin dieselben Werkzeuge, Befehle und Workflows, im Hintergrund werden die Daten aber an den neuen GPU-Compositor weitergereicht und von dort auf den Bildschirm gebracht. Auch alle bestehenden Ebenenmodi, Einstellungsebenen und Ebeneneffekte müssen dafür Stück für Stück GPU-first neu implementiert werden, damit sie zur neuen Pipeline passen.

Nicht-destruktive Filter ohne Smartobjekte

Am weitesten fortgeschritten ist die Arbeit an Filtern. Aktuell muss man eine Ebene in ein Smartobjekt umwandeln, um Filter wie den Gaußschen Weichzeichner nicht-destruktiv anzuwenden, inklusive Modal-Dialog und kleiner Vorschau. Mit der NextGen Engine entfällt dieser Umweg: In einer frühen Beta-Version zeigte David Howe im Adobe-Live-Stream, wie ein Gaußscher Weichzeichner als eigene, einstellungsebenen-ähnliche Ebene im Ebenen-Stapel erscheint. Er lässt sich frei platzieren oder auf eine einzelne Ebene beschränken, wirkt in Echtzeit direkt auf dem Canvas und bleibt dabei vollständig nicht-destruktiv – ganz ohne Smartobjekt oder Modal-Dialog.

Klassiker wie Gaußscher Weichzeichner oder Schärfungsfilter werden dafür grundlegend überarbeitet, gleichzeitig plant Adobe komplett neue Filter wie Light Leaks. Bereits vorhandene Filter funktionieren parallel weiter wie gewohnt, sie bleiben vorerst destruktiv beziehungsweise an Smartobjekte gebunden.

Weitere Baustellen: Pinseltechnik, Zuschnitt und KI

Über Filter hinaus arbeitet Adobe an nicht-destruktivem Pinseln, etwa auf Basis der Fresco-Technologie für Öl- und Aquarellsimulationen, sowie perspektivisch an nicht-destruktivem Zuschneiden und Transformieren. Auch eine Kombination aus der neuen Engine und KI-Funktionen ist im Gespräch, um bestehende Workflow-Lücken zu schließen. Konkrete Termine dafür nennt Adobe noch nicht, das sind laut Howe längerfristige Ziele, die erst nach der Grundsanierung der Engine angegangen werden.

NextGen Engine im Vergleich zur aktuellen Photoshop-Engine

MerkmalAktuelle Engine (heute)NextGen Engine (geplant)
RenderingCPU-basiert, GPU nur für Canvas und einzelne FilterGPU-first fuer Rendering, Kompositing und Bildverarbeitung
FilterMeist destruktiv, nicht-destruktiv nur ueber Smart Objects/Smart FilterNicht-destruktiv von Haus aus, an jeder Stelle im Ebenenstapel einsetzbar
BearbeitungModale Dialoge, Vorschau mit WartezeitLive-Vorschau in Echtzeit direkt auf der Leinwand
Bit-TiefeGetrennte Implementierung für 8, 16 und 32 BitEine Floating-Point-HDR-Pipeline für alle Bit-Tiefen
VerfügbarkeitStandard in jeder Photoshop-VersionOpt-in, bestehender Workflow bleibt unverändert

Zeitplan: Wann kommt die NextGen Engine?

Der Rollout erfolgt in Etappen. Zunächst startet ein Pre-Release für einen kleinen Kreis regelmäßig eingebundener Kund:innen, beginnend mit dem Gaußschen Weichzeichner und dem Filter Light Leaks. Auf der Adobe MAX in Miami will das Team im Herbst weitere Details zu Filtern, Compositing-Performance und Hardware-Voraussetzungen zeigen. Eine öffentliche Beta ist für Anfang 2027 vorgesehen, ein erstes größeres Funktionspaket je nach Nutzer:innen-Feedback für die Mitte des Jahres. Insgesamt handelt es sich laut Adobe um ein Mehrjahresprojekt ohne festes Enddatum.

Häufige Fragen

Was ist die Photoshop NextGen Engine?

Die NextGen Engine ist eine komplett neu entwickelte, GPU-first ausgelegte Rendering- und Compositing-Engine für Photoshop, die schrittweise die bisherige, größtenteils CPU-basierte Architektur ablösen soll.

Wann erscheint die NextGen Engine für alle Nutzer:innen?

Ein genaues Veröffentlichungsdatum gibt es noch nicht. Adobe plant zunächst ein Pre-Release für ausgewählte Kund:innen, eine öffentliche Beta wird für Anfang 2027 angepeilt.

Muss ich die neue Engine benutzen?

Nein. Die NextGen Engine ist als Opt-in-Funktion geplant. Wer nichts ändern möchte, arbeitet weiterhin mit der bestehenden Engine und den gewohnten Workflows.

Funktionieren meine alten Filter und Smartobjekte weiterhin?

Ja. Bestehende Filter und Smartobjekte bleiben erhalten und funktionieren wie bisher. Neue, GPU-first entwickelte Filter kommen parallel dazu und ersetzen die alten nicht sofort.

Ersetzt die NextGen Engine Smartobjekte komplett?

Langfristig ist das Ziel, dass viele Bearbeitungsschritte wie Filter von Haus aus nicht-destruktiv funktionieren, ohne dass man dafür manuell ein Smartobjekt anlegen muss. Ein vollständiger Ersatz aller Smartobjekte-Workflows ist aber noch nicht angekündigt.

Auf welcher Hardware läuft die NextGen Engine?

Die Engine setzt auf aktuelle Grafikkarten und moderne GPU-Technologien wie WebGPU. Adobe arbeitet dafür mit Nvidia, AMD und Microsoft zusammen, um die Engine auf möglichst vielen Windows- und Mac-Systemen performant laufen zu lassen. Ältere Grafikkarten dürften dabei schlechter abschneiden als aktuelle Modelle.

Für alle, die schon heute mit dem vollen Funktionsumfang von Photoshop arbeiten möchten, lohnt sich ein Blick auf das Foto-Abo mit Photoshop und Lightroom sowie 1 TB Cloud-Speicher. Die aktuellen Preise findest du auf der offiziellen Adobe-Preisseite.

Die NextGen Engine ist Teil einer wachsenden Reihe an Modernisierungsprojekten bei Adobe. Mehr über aktuelle KI-Funktionen liest du in den Artikeln zur assistierten Bildauswahl in Lightroom oder zu den KI-Masken in Lightroom.

Quellen

Alle Angaben in diesem Artikel stammen aus zwei offiziellen Adobe-Quellen und spiegeln einen frühen Entwicklungsstand wider, der sich noch ändern kann: dem Blogbeitrag „Rebuilding Photoshop’s Engine, 35 Years In“ von David Howe im Adobe Community Forum sowie dem Adobe-Live-Interview mit David Howe und Howard Pinsky auf YouTube.

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